C4 Weitere Handlungsfelder

Mai 13, 2011 — ehlers
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  1. 1. Abfall
  2. 2. Abwasser
  3. 3. Ernährung

1. Abfall

Die Abfallwirtschaft in Deutschland hat sich seit Beginn der 1990er-Jahre erheblich gewandelt. Durch gesetzliche Rahmenbedingungen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz sowie die zugehörigen Rechtsverordnungen) wurde der Wandel von der Beseitigungswirtschaft zur Kreislaufwirtschaft vollzogen. Damit leistet die Abfallwirtschaft auf Grund der in den letzten Jahren erheblich verschärften gesetzlichen Auflagen einen maßgeblichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland.

In Deutschland fallen jährlich gut 40 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle an. Bereits heute werden hohe Quoten an Wertstoffen getrennt erfasst und verwertet. Mit dem Verbot der Deponierung nicht vorbehandelter Siedlungsabfälle wurde ein entscheidender Schritt der Abfallwirtschaft zum Klimaschutz geleistet (Kap. B4 5.2). Der Ausstieg aus der Deponierung nicht vorbehandelter Abfälle hat zur erheblichen Vermeidung von Methanemissionen geführt, die 21-fach stärker klimawirksam sind als CO2-Emissionen. Durch stoffliche und thermische Verwertung werden Treibhausgase durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen und den Ersatz von Strom und Wärme aus fossilen Energiequellen gemindert. Der Energiegehalt der Restsiedlungsabfälle – bezogen auf die Einsatzenergie des Abfalls – stammt nämlich zu gut 50 Prozent aus deren biogenem Anteil (z.B. Papier, Holz, Textilien, Bioabfall) und ist somit CO2-neutral. In Deutschland wird das Ziel anvisiert, alle Siedlungsabfälle durch Weiterentwicklung und Ausbau der Behandlungstechniken vollständig zu verwerten, so dass ihre Deponierung ganz eingestellt werden kann.

Es ist die Aufgabe der Kommunen, die Entsorgung in privaten Haushalten zu übernehmen und für die Beseitigung der gewerblichen Abfälle zu sorgen. Ziel für die kommunale Abfallwirtschaft soll sein, allen Bürgern langfristige Entsorgungssicherheit bei bestmöglichem Service, hohem ökologischem Niveau und sozialverträglichen Gebühren zu bieten. Gleichzeitig stellen die Kommunen auch selbst Verbraucher dar, d.h., sie besitzen in diesem Bereich eine Vorbildfunktion, die sie wahrnehmen können, indem sie allen Bürgern zeigen, dass sie möglichst wenig Abfall anfallen lassen. Als Planer und Regulierer haben die Kommunen viele Einflussmöglichkeiten. Sie können ein Abfallmanagementkonzept entwickeln und entsprechende Regelungen, Genehmigungen bzw. Förderungen einführen. Als Berater und Promotor können die Kommunen durch umfangreiche Information und Öffentlichkeitsarbeit viele gesellschaftlich interessierte Bürger erreichen und zu einem Engagement motivieren.

Um das Ziel der vollständigen Siedlungsabfallverwertung zu erreichen und auch um noch weitere vorhandene Emissionsminderungspotenziale der Abfallwirtschaft zu erschließen, können viele Hebel angesetzt werden. Die Abfallvermeidung ist ein grundsätzlicher Ansatz und trägt mit zum Klimaschutz bei. Zusätzlich bietet die Optimierung des Trennsystems, gerade was die Bioabfallerfassung und -verwertung angeht, große stoffliche und energetische Nutzenpotenziale, die noch ausgeschöpft werden können.

 

München: Grüner Strom aus Bioabfall

Münchner Bioabfälle werden mit der braunen Tonne flächendeckend eingesammelt. Die innovative und effiziente Umwelttechnologie der Trockenfermentation verarbeitet pro Jahr maximal 25.000 Tonnen Küchen- und Gartenabfälle aus der braunen Biotonne und liefert dabei energiereiches Biogas, das zur Produktion von rund 3.780.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr reicht. Diese Strommenge deckt in etwa den Jahresverbrauch von circa 1.600 Münchner Haushalten und ersetzt rund 375.000 Liter Heizöl. Auch die Abwärme der Blockheizkraftwerke und die anfallenden Gärreste werden sinnvoll genutzt: Die Wärme dient in der Anlage zum Heizen verschiedener Stoffströme, die Gärreste werden zu Fertigkompost verarbeitet und kehren als wertvoller Dünger zurück in den Kreislauf der Biomasse. Diese Aspekte machen das Gesamtkonzept sowohl ökologisch als auch ökonomisch attraktiv.

Weitere wesentliche Potenziale sind in den Abfallbehandlungs- und Abfallverbrennungsanlagen selbst vorhanden. Zum Beispiel werden für Abfallverbrennungsanlagen eine Erhöhung der Energieeffizienz, d.h. eine Erhöhung des elektrischen und thermischen Wirkungsgrads, und insbesondere die Anwendung von KWK-Technik für Wärme und Fernwärmenetz als wesentlich angesehen. Weitere Optimierungspotenziale gibt es etwa in der Monoverbrennung für Klärschlämme mit Blick auf die Energienutzung, die Reduktion von N2O-Emissionen und die Phosphor-Rückgewinnung.

 

Mainz: Strom und Fernwärme aus Siedlungsabfällen

Eine der effizientesten Abfallentsorgungsanlagen, das Müllheizkraftwerk Mainz, wird seit 2003 betrieben. Nach ihrer Fertigstellung kann diese Anlage über 340.000 Tonnen an Siedlungsabfällen entsorgen. Das Kraftwerk garantiert die sichere Entsorgung von Abfällen für die Region mit mehr als 500.000 Einwohnern. 50 Prozent der Abfälle gelten als erneuerbar, d.h. dass die Verbrennungsanlage eine klimafreundliche Alternative zu anderen Primärenergieträgern darstellt. In Mainz wird der Abfall zur Erzeugung von Strom, Prozessdampf und Fernwärme durch Kraft-Wärme-Kopplung verwendet. Der größte Anteil des Hochdruckdampfes wird dann durch das benachbarte GuD-Kraftwerk mit 400 MW Leistung, entsprechend der Nachfrage, zur Erzeugung von Wärme oder Strom verwendet. Während des energieoptimierten Betriebes beträgt der elektrische Wirkungsgrad netto 23 Prozent, die Anlage produziert Strom für über 40.000 Wohnungen.

Die Hauptaufgabe der Abfallwirtschaft ist die schadlose Entsorgung von Abfällen. Somit kann es vorkommen, dass abfallwirtschaftliche und klimapolitische Ziele miteinander konkurrieren. Deshalb ist bei der Planung von abfallwirtschaftlichen Maßnahmen darauf zu achten, dass die gesteigerte energetische Nutzung von Abfällen nicht zu einer unerwünschten schleichenden Verteilung von Schadstoffen in der Umwelt beiträgt. Für Sekundärbrennstoffe ist deshalb die Einhaltung bestimmter Güte- und Qualitätskriterien erforderlich, die den Verbrennungsvorgang und das Emissionsniveau kalkulierbar machen.

MW1: Maßnahme: Abfallvermeidung

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Abfallaufkommen so gering wie möglich zu halten. Dafür können die Kommunen neben den Eigenaktionen als Vorbildrolle zahlreiche Maßnahmen für Bürger oder Wirtschaft anbieten.

  • Regulierungsmaßnahmen: Durchsetzung der Umweltregularien wie Genehmigung von Fastfood-Betrieben mit einer Regelung der Abfallfolgen
  • Kooperative Lösungen: Vereinbarung der Vermeidung von Verpackungsabfällen oder die Nutzung von Mehrweggeschirr bei Veranstaltungen
  • Ökonomische Maßnahmen: Verursachergerechte Gebührenmodelle
  • Präventive Maßnahmen: Leasing- und Verleihmodelle wie öffentliche Stationen zur Vermietung von Gerätschaft und Ausstattungen (z.B. technische Geräte)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Motivation der Abfallerzeuger: Angebot von umfangreichen Informationen und Beratungen zum Thema Abfallvermeidung. Anreize für Kompostierung von Bioabfällen und Abfallvermeidung (z.B. Vergünstigungen, Wettbewerbe)
  • Sekundärmärkte: Gebrauchtwarenmärkte, Reparaturwerkstätten, Spendenprojekte für karitative Zwecke

Erfolgsindikatoren

  • Menge des vermiedenen Abfalls
  • Anzahl der Beratungen

Akteure

  • Verwaltung
  • Kommunalrat
  • Abfallentsorger
  • Verbraucherzentrum

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

  • Finanziell: Relativ gering im Vergleich zu großinvestiven Maßnahmen (z.B. effizientere Verwertungsanlagen), geringer Aufwand für Raumkosten für Informationszentrum, Sekundärmärkte usw., Personalkosten für z.B. die Beratung
  • Materiell: Flyer, Broschüre usw. für die Öffentlichkeitsarbeit

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Information und Schulung (MK9)
  • Anreize und Motivation (MK10)
  • Kampagne zum Klimaschutz (MK11)
  • Optimierte Bioabfallerfassung und -verwertung (MW2)

Handlungsschritte

  • Analyse der Vermeidungspotenziale und Suche nach Schwerpunkten
  • Kooperationsaufbau mit den betroffenen Zielgruppen
  • Ratsbeschluss und Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Maßnahmen

MW2: Maßnahme: Optimierte Bioabfallerfassung und -verwertung

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Ein erheblicher Anteil an Bioabfällen wird nach wie vor über die Restabfallbehandlung beseitigt und damit nicht oder nur unzureichend genutzt. Durch Einführung bzw. Ausweitung der Getrenntsammlung werden Bio- und Grünabfalle vom Restabfall abgetrennt. Der separat erfasste organische Abfall kann sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden und trägt damit zur Schonung von Düngemittelreserven, Torf und fossilen Energiequellen bei. Die stofflichen und energetischen Nutzpotenziale werden durch Auftrennung der Bioabfallströme für die jeweils geeignetsten Verwertungsverfahren optimiert. Durch getrennte Erfassung des Bioabfalls wird außerdem die Menge an Restmüll mit vergleichsweise höheren Behandlungskosten geringer.

Die folgenden Gesichtspunkte sollten bei der Bioabfallerfassung berücksichtigt werden:

  • Je lockerer die Besiedlungsdichte, desto höher sind die erfassbaren Mengen bei in der Regel guter Qualität des Materials. Hierbei ist aber auch zu berücksichtigen, dass in dieser Gebietsstruktur ein vergleichsweise hoher Anteil von Eigenkompostierern vorzufinden ist.
  • Bei Pflichteinführung der Biotonne in dicht bebauten Siedlungsstrukturen besteht das Risiko eines höheren Störstoffanteils. In ländlichen Gebieten kann es sinnvoll sein, Ausnahmen bei Eigenkompostierung kontrolliert zuzulassen.
  • Gebührensystem: Zum Beispiel bieten eine Reduzierung der Restabfallgebühren bei Teilnahme an der Bioabfallerfassung oder die Schaffung einer einheitlichen Müllgebühr ohne zusätzliche Kosten für die Biotonne Anreize zur getrennten Sammlung.
  • Für die Abschöpfung des Grünabfallpotenzials sind die Abfuhrintervalle bei der Straßensammlung sowie Anzahl, Erreichbarkeit und Öffnungszeiten von Sammelplätzen oder Wertstoffhöfen entscheidend.
  • Zielorientierte Öffentlichkeitsarbeit, z.B. für Kinder und Jugendliche durch Umweltbildung oder für ausländische Mitbürger durch Informationsangebote in der jeweiligen Muttersprache, kann das Sammelergebnis verbessern.

Für die Verwertungswege der erfassten Stoffströme werden drei Verfahren unterschieden: Kompostierungs- und Vergärungsverfahren (mit anschließender stofflicher Nutzung des Gärsubstrats) sowie thermisch-energetische Nutzungsverfahren.

Erfolgsindikatoren

  • Erfasste Menge des Bioabfalls (gesamt und pro Kopf)
  • Anzahl der Biotonnen-Besitzer
  • Reduktion von CO2-Emissionen

Akteure

  • Verwaltung
  • Kommunalrat
  • Energieversorger
  • Abfallentsorger
  • Bürger

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

  • Finanziell: Hohe Investitionskosten der Verwertungsanlage, Müllwagen usw.
    Mehrere kleinere Kommunen können bei der Anschaffung und Nutzung kooperieren
  • Materiell: Flyer, Broschüre usw. für die Öffentlichkeitsarbeit

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Schaffung institutioneller Rahmenbedingungen zur Kooperation mit umliegenden Städten und Gemeinden (MK2)
  • Einbeziehung Bürger und Haushalte (ME5)
  • Zielgruppenorientierte Energiesparberatung (ME7)
  • Abfallvermeidung (MW1)

Handlungsschritte

  • Durchführung einer Machbarkeitsstudie und Berechnung der Einsparpotenziale
  • Konzeptentwicklung
  • Ratsbeschluss und Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Maßnahmen

BMU – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2006): Abfallwirtschaft in Deutschland – Status quo und Perspektiven, Berlin.

BMU – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und UBA – Umweltbundesamt (2009): Ökologisch sinnvolle Verwertung von Bioabfällen. Anregungen für kommunale Entscheidungsträger, Berlin, Dessau-Roßlau.

LfU – Landesamt für Umwelt Bayern (2009): Workshop zum Kampagnenauftakt – Grundlagen für Abfallvermeidungskonzepte in den Kommunen. Fachtagung des LfU am 14.10.2008, Augsburg.

UBA – Umweltbundesamt (2006): Energie aus Abfall. Ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz. Nutzung der Potenziale in Deutschland und Europa, Dessau-Roßlau.

UBA – Umweltbundesamt (2009): Klimaschutz konkret – Mut zum Handeln, Dessau-Roßlau.

UBA – Umweltbundesamt: Bewährte Verfahren zur kommunalen Abfallbewirtschaftung. Maßnahmen zur Förderung der Abfallvermeidung, www.umweltbundesamt.de/abfallwirtschaft/best-practice-mwm.php

2. Abwasser

In Deutschland sind ca. 94 Prozent der Bevölkerung an die kommunale Abwasserentsorgung angeschlossen. Hierzu stehen rund 10.000 kommunale Kläranlagen zur Verfügung. Die restliche Bevölkerung reinigt ihr Abwasser in eigenen Kleinkläranlagen. Die Länge des öffentlichen Abwasserkanalnetzes beträgt ca. 357.000 km.

Die kommunalen Kläranlagen sind für durchschnittlich 20 Prozent des Stromverbrauchs aller kommunalen Einrichtungen verantwortlich. Damit stellen sie in der Regel die größten Stromverbraucher im kommunalen Bereich dar und verbrauchen mehr Strom als Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude oder andere kommunale Einrichtungen. Der Gesamtstromverbrauch der 10.000 Kläranlagen entspricht etwa dem Strombedarf von 900.000 Vier-Personen-Haushalten und ca. drei Mio. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr (vgl. UBA 2009).

Im Bereich Abwasser können Kommunen verstärkt die Rolle als Vorbild einnehmen. Innovative und umweltfreundliche Projekte in diesem Bereich haben ein hohes Demonstrations- und Multiplikationspotenzial. Allerdings gibt es viele kommunale Kläranlagen, die nicht nur für eine Kommune, sondern für einen Zusammenschluss mehrerer kommunaler Gebietskörperschaften zuständig sind. Innerhalb dieser Zweckverbünde sind interkommunale Zusammenarbeit und Akzeptanz der teilnehmenden Kommunen notwendig, um erfolgreich Maßnahmen umzusetzen (Kap. A4 2).

Zahlreiche Kommunen haben ihre Abwasserentsorgungspflicht voll- oder teilprivatisiert. Für diese Kommunen sind die Einflussmöglichkeiten in diesem Bereich deshalb begrenzt. Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass es relevante Energieeinsparpotenziale und Möglichkeiten zur besseren Ausnutzung des energetischen Potenzials der Abwasserbehandlungsanlagen gibt. Bei der Energieoptimierung von Abwasserbehandlungsanlagen sollte jedoch vor Aktivitäten zur Energieerzeugung stets eine Minimierung des Energieverbrauchs im Fokus stehen.

Energieeinsparungen lassen sich durch kurz- und mittelfristige Maßnahmen vor allem bei der Belüftung sowie bei Behandlung und Verwertung von Klärschlamm realisieren. Allein durch effizientere Belüftung, verbesserte Steuerung der Aggregate sowie Einsatz von Motoren und Pumpen der höchsten Energieeffizienzklasse wäre in Deutschland eine durchschnittliche Stromeinsparung in Abwasserbehandlungsanlagen von 900 GWh pro Jahr oder ca. 600.000 Tonnen CO2-Äquivalenten Emissionsminderung pro Jahr realisierbar (vgl. UBA 2009).

Die Energieerzeugung in Abwasseranlagen ist grundsätzlich den regenerativen Energien zuzuordnen, Ausnahme ist die thermische Nutzung des Abwassers in Abwasserkanälen. Hinsichtlich des Energieerzeugungspotenzials ist die gesamte Verfahrenskette von der Nutzung der thermischen Energie des Abwassers und des nutzbaren Gefälles im Wasserweg über die Stromerzeugung durch verbesserte Faulgasgewinnung und -verwertung bis zur Gärresteverwertung von Bedeutung.

Durch optimierte Verfahren, die zu einer Erhöhung der Faulgasausbeute und des Wirkungsgrades bei der Verstromung führen, könnten die Selbstversorgung mit Strom auf kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen nahezu verdoppelt und damit weitere CO2-Einsparungen erreicht werden. Bei Nutzung aller Möglichkeiten gehen Schätzungen langfristig von einer Vervierfachung der Stromausbeute aus Faulgasverstromung aus.

All dies zeigt: Die deutsche Siedlungswasserwirtschaft kann durch eine Steigerung der Energieeffizienz von Abwasseranlagen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Energiebedarfs und der CO2-Emissionen leisten.

 

Bochum: Abwasserwärmenutzung Nordwestbad Bochum

Das von der Stadt Bochum betriebene „Nordwestbad Bochum“ ist etwa 150 Meter von einem Abwasserkanal (DN 3000) entfernt und wird teilweise durch die Wärme des Abwassers geheizt. Der Trockenwetterabfluss im Kanal liegt bei ca. 80 l/s, die Abwassertemperatur liegt auch in den Wintermonaten bei mindestens 12° C.

Der Abwasserwärmetauscher besteht aus zwei parallel angeschlossenen Wärmetauscherreihen mit einer Gesamtlänge von 47 Metern. Er wurde in den neuen Kanal eingebaut und entnimmt dort die Wärme durch eine mit Strom versorgte Wärmepumpe. Diese kann durch die Wärmeabfuhr in den Kanal auf der Nutzwärmeseite eine Heiztemperatur von 50 bis 55° C zur Verfügung stellen. Ein großer Teil des benötigten Wärmepumpenstromes wird durch ein Blockheizkraftwerk produziert, welches die gleiche elektrische Größe (50 kW) aufweist wie die Wärmepumpe.

Die zwei vorhandenen Gaskessel decken den Spitzenbedarf der Anlage ab. Statt für bisher 1.700 werden sie künftig nur noch für 500 Volllaststunden eingesetzt. Die bisher für Heizzwecke benötigte Gasmenge von 2.952 MWh/a kann durch die Abwärmenutzung auf 1.857 MWh/a reduziert werden. Die CO2-Emissionen verringern sich dadurch um 220 Tonnen pro Jahr (37 Prozent).

Die umfänglichsten Einsparungen sind bei den großen Abwasserbehandlungsanlagen (Abwasserbehandlungsanlagen der Größenklasse 4, >10.000 Einwohnerwerten und Größenklasse 5, >100.000 Einwohnerwerten) zu erwarten. Rund 2.200 der 10.000 Abwasserbehandlungsanlagen in Deutschland haben eine Ausbaugröße von mehr als 10.000 Einwohnerwerten. Sie behandeln über 90 Prozent des Abwassers und verursachen dabei 87 Prozent des Stromverbrauchs. Insbesondere bei den kleineren kommunalen Abwasseranlagen liegt der spezifische Stromverbrauch deutlich über dem größerer Abwasserbehandlungsanlagen.

Ein effizienterer Einsatz von Energie bei der Abwasser- und Klärschlammbehandlung im Verbund mit der ressourcen- und energieeffizienten Klärschlammverwertung einschließlich der Co-Vergärung organischer Substrate machen das Erreichen des Zieles der „energieautonomen Abwasserbehandlungsanlage“ möglich.

 

Dresden: Energiekonzept für die Kläranlage

Im Zuge der Modernisierung und des Ausbaus der Kläranlage in Dresden-Kaditz wurde ein langfristiges Energiekonzept in die Planungen integriert. Dieses sieht in beispielhafter Weise neben der effektiven Nutzung von Ressourcen den schrittweise steigenden Einsatz regenerativer Energiequellen vor.

Die Kläranlage erzeugt immer mehr regenerative Prozessenergie in eigenen Anlagen. Langfristig möchte die Stadtentwässerung Dresden sogar energieautark werden. So ist im Auslauf der Kläranlage zur Elbe eine Turbine (138 kW) installiert, die den Höhenunterschied von durchschnittlich fünf Metern zur Energiegewinnung nutzt. Zusätzlich befindet sich seit sechs Jahren auf der Dachfläche des Regenüberlaufbeckens die bis zum Jahr 2009 größte Fotovoltaikanlage (190 kW) in Dresden. So können derzeit annähernd vier Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Kläranlage durch regenerative Energiequellen gedeckt werden. Die erheblichen Schlammmengen, die in der Kaditzer Anlage anfallen, sollen zur Gewinnung von Faulgas genutzt werden. Im Herbst 2008 war Baustart für zwei Faulbehälter mit jeweils 10.500 m3 Volumen. Darin können ab 2011 täglich 15.000 m3 Biogas erzeugt werden, welches das bisher zur Schlammtrocknung benötigte Erdgas ersetzen soll. Ein alternatives Szenario verzichtet auf die Trocknung des Schlammes und sieht stattdessen ein Blockheizkraftwerk vor. Mit der aus dem Faulgas erzeugten Elektroenergie könnten 50 Prozent des Eigenbedarfs der Kläranlage gedeckt werden. Darüber hinaus fällt bei den Umwandlungsprozessen genug Wärme für die Schlammfaulung und zur Klimatisierung von Betriebsräumen an. Der Faulprozess bewirkt die Reduzierung der organischen Schlammmasse um etwa 30 Prozent, was die Entsorgungskosten senkt.

MW3: Maßnahme: Energetische Optimierung der Abwasserbehandlung

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

In einer normal geführten Abwasserbehandlungsanlage entfallen rund 80 Prozent des Stromverbrauchs auf die Belüftung und kontinuierlich laufende Verbraucher wie Pumpen und Rührwerke. Diese Komponenten stellen somit die Hauptansatzpunkte für eine energetische Optimierung dar.

Im Bereich der Belüftung sind z.B. durch Austausch der Belüfter, Optimierung der Belüfteranordnung und Regelung der Belüftung über Online-Messung mehr als 50 Prozent der Belüftungsenergie einsparbar.

Ebenso lassen sich durch die Optimierung der Betriebsführung, die Vermeidung von Druckverlusten und den Einsatz moderner Pumpen mit hoher Effizienz und geringer Verstopfungsanfälligkeit Energieeinsparungen erzielen.

Eine dauerhafte energetische Optimierung setzt die Kontrolle der wichtigsten Anlageteile voraus: Überwachung von Gebläsestationen und Pumpwerken und Messung des Druckverlustes der Belüftungseinrichtungen. Als positiver Nebeneffekt lassen sich auf diese Weise oft auch sich anbahnende Betriebsstörungen frühzeitig erkennen.

Erfolgsindikatoren

Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen

Akteure

  • Kommunalpolitik
  • Entsorgungsunternehmen

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

Finanziell: Höhere Investition

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Energieeinsparung und -gewinnung bei der Klärschlammbehandlung und Klärschlammverwertung
    (MW4)
  • Nutzung der Abwasserwärme (MW5)

Handlungsschritte

  • Bestandsanalyse
  • Durchführung der Machbarkeitstudie und Berechnung der Einsparpotenziale
  • Ratsbeschluss und Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Maßnahmen zur energetischen Optimierung

MW4: Maßnahme: Energieeinsparung und -gewinnung bei der Klärschlammbehandlung und Klärschlammverwertung

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Klärschlammbehandlung:

Viele große Kläranlagen (Größenklasse 4 und 5) pumpen den Klärschlamm (Überschussschlamm) in Faulbehälter zur Erzeugung von Faulgas. Für eine optimale Faulgasausbeute muss der Faulbehälter auf 35 bis 38° C beheizt werden. Die Beheizung benötigt 70 bis 80 Prozent des gesamten Wärmebedarfs der Kläranlage. Der Heizenergiebedarf lässt sich erheblich senken, indem der Klärschlamm vor der Verbringung in den Faulbehälter maschinell entwässert wird. Dies führt zu einer Volumenreduzierung und ermöglicht die Erhöhung des Anteils an Trockensubstanz.

In Abwasseranlagen mit Blockheizkraftwerken (BHKW) wird das gewonnene Faulgas verstromt. Dabei verbessern moderne BHKWs mit hohem Wirkungsgrad die Energieeffizienz der Anlage noch weiter.

Weitere Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung der Abwasseranlagen sind die Ausnutzung freier Faulraumkapazitäten und eine optimale Betriebsführung. Dadurch lassen sich erhebliche Mengen an geeignetem biologischem Material zur Faulgas-(Biogas-)gewinnung aufnehmen und die Stromproduktion weiter steigern.

Klärschlammverwertung:

Die Energieeffizienz für die Klärschlammtrocknung und -verwertung ist besonders hoch, wenn die Trocknung mit Sonnenenergie und/oder ungenutzter Abwärme und Verbrennung möglichst nahe am Kläranlagenstandort vorgenommen wird. Selbst der Transport von entwässertem Klärschlamm auch bei großen Transportentfernungen zum Kraftwerk/Zementwerk und Trocknung mit der Kraftwerksabwärme vor der Verbrennung ist noch energetisch günstiger als die Trocknung mit Primärbrennstoffen.

Erfolgsindikatoren

Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen

Akteure

Kommunalpolitik und -verwaltung, Unternehmen

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

Zeitlicher Aufwand für Kontaktaufnahme und Treffen mit Gemeindevertretern

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Energetische Optimierung der Abwasserbehandlung (MW3)
  • Nutzung der Abwasserwärme (MW5)

Handlungsschritte

  • Durchführung der Machbarkeitsstudie und Berechnung der Einsparpotenziale
  • Ratsbeschluss und Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Maßnahmen

MW5: Maßnahme: Nutzung der Abwasserwärme

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Abwasser gelangt in Wohngebäuden meist mit Temperaturen zwischen 12 und 20° C in den Abwasserkanal. Abwasserwärme in größeren Abwasserkanälen (mit einem Mindestabfluss von 15 Litern pro Sekunde) eignet sich deshalb sehr gut für den effizienten Betrieb von Wärmepumpen zur Beheizung von Gebäuden, da es gegenüber anderen Wärmequellen (Luft, Boden, Grundwasser) höhere Temperaturen aufweist und ganzjährig verfügbar ist.

Über Wärmetauscher in der Kanalsohle der Abwasserkanäle kann dem Abwasser ein Teil der Wärme entzogen und über Wärmepumpen auf ein Temperaturniveau von bis zu 70° C für die Gebäudebeheizung angehoben werden. Dabei können die Anlagen so ausgelegt werden, dass die Abwassertemperatur insgesamt um nicht mehr als 1° C sinkt und damit ganzjährig die biologische Reinigung in der Kläranlage nicht beeinträchtigt wird.

Im Bereich der Gebäudeheizung lässt sich auch unter Berücksichtigung des Stromverbrauchs der Wärmepumpen auf diese Weise ein Großteil der Primärenergie einsparen. Gleichzeitig kann das Verfahren durch Abgabe von Wärme über den Wärmetauscher an das Abwasser im Sommer Gebäude kühlen.

Als Voraussetzung für einen effizienten Betrieb müssen sich größere Wärmeabnehmer wie Mehrfamilienhäuser, Schulen, Sporthallen oder Bäder in der Nähe des Kanals befinden.

Erfolgsindikatoren

  • Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen
  • Anzahl der Einrichtungen oder Haushalte, die Abwässerwärme anwenden

Akteure

  • Kommunalpolitik
  • Entsorgungsunternehmen
  • (Kanal-)Netzbetreibe

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

  • Finanziell: höhere Investitionskosten beim Einbau des Wärmetauschers (eventuell Synergieeffekte bei notwendigen Kanalsanierungen nutzen, um die Kosten für den Wärmetauscher-Einbau zu senken)
  • Zeitlich: Berücksichtigung bei sowieso anstehenden Kanalsanierungen

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

Energetische Optimierung der Abwasserbehandlung (MW3)

Handlungsschritte

  • Bestandsanalyse (Abwasserkanäle und nahe gelegene beheizbare Gebäude)
  • Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie
  • Ratsbeschluss und Sicherstellung der Finanzierung
  • Durchführung der Maßnahmen

BWP – Bundesverband WärmePumpe e. V., Deutsche Bundesstiftung Umwelt, ASEW – Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung GbR im Verband kommunaler Unternehmen und Institut Energie in Infrastrukturanlagen (2005): Heizen und Kühlen mit Abwasser. Ratgeber für Bauherren und Kommunen, München u.a.

Land Rheinland-Pfalz (2007): Ökoeffizienz in der Wasserwirtschaft. Steigerung der Energieeffizienz von Abwasseranlagen, Mainz.

UBA – Umweltbundesamt (2006): Steigerung der Energieeffizienz auf kommunalen Kläranlagen, Dessau-Roßlau.

UBA – Umweltbundesamt (2009): Energieeffizienz kommunaler Kläranlagen, Dessau-Roßlau.

3. Ernährung

Eingebettet in die globalen Stoffkreisläufe tragen Lebensmittelproduktion und -versorgung erheblich zur erhöhten Bildung von Treibhausgasen und damit zum Klimawandel bei. Eine klimafreundlichere Ernährungsweise hingegen verbindet Empfehlungen für eine gesunde Ernährung mit ökologischer Erzeugung und möglichst regionaler Distribution. Klimaschonendes Essen kann somit erheblich zum Schutz des Weltklimas beitragen.

Zu den wichtigsten Umweltmaßnahmen, zu denen Konsumenten im Ernährungsbereich beitragen können, zählt die starke Einschränkung des Fleischkonsums.

Dabei ist auch der Staat gefragt: In Deutschland trägt er mit der verfassungsrechtlichen Verankerung des Schutzes der Menschenwürde und des Vorsorgeprinzips nicht nur Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit, sondern insgesamt für nachhaltige Ernährung.

Lebensmittel, die im Rahmen einer nachhaltigen Ernährungsweise konsumiert werden, sollten frisch, regional, saisonal, ökologisch, gentechnisch unverändert und frei von Schadstoffen sein. Obst und Gemüse können idealerweise unter natürlichen Bedingungen voll ausreifen und sind weniger mit Chemikalien behandelt, die üblicherweise Früchte aus Übersee und fernen Gebieten transportfähig machen sollen.

Werden Produkte nicht in Gewächshäusern gezüchtet, sondern stammen aus der Umgebung, wirkt sich dies auch positiv auf die Umwelt aus.

Die Welternährungsorganisation FAO hat schon 2007 erklärt, dass 18 Prozent der schädlichen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft stammen, insbesondere aus der Viehzucht. Neue Studien setzen diesen Wert weit höher an. Laut FAO ist die „Nutztier“-Haltung für 37 Prozent des weltweiten Methanausstoßes verantwortlich. Methan ist 21 Mal klimawirksamer als Kohlendioxid.

 

Vernetzungsstelle Schulverpflegung Thüringen

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Thüringen ist an die Verbraucherzentrale Thüringen e.V. angegliedert und bietet allen Akteuren und Interessierten Beratung sowie Unterstützung rund um das Thema Schulverpflegung an. Dies betrifft gleichermaßen den Versorger/Caterer der Schule, Eltern, Schüler und Schulamt.

Die Vernetzungsstelle Thüringen hat folgende Ziele:

  • Regelmäßige Ermittlung und Bewertung des Schulverpflegungsangebotes (erfolgt zweijährig), insbesondere Erfassung von Schulen mit Schwierigkeiten bei der Mittagsversorgung
  • Anwendung der Qualitätsstandards für die Schulverpflegung in rund 80 Prozent der Schulen
  • Steigerung von Akzeptanz und Teilnehmerzahl an einer gesunden Schulverpflegung
  • Sensibilisierung von Schülern und Lehrkräften für eine „gesunde Ernährung“ durch Einbindung von Ernährungsprojekten
  • Auf- und Ausbau von Kooperationen zwischen den Beteiligten der Schulverpflegung
  • Vernetzung vorhandener Aktivitäten

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Thüringen ist mit zwei Dreiviertel-Stellen besetzt. Insgesamt stehen dem Projekt auf fünf Jahre verteilt rund 417.000 Euro zur Verfügung, finanziert durch Bundes- und Landesmittel. Mit Stand von 2010 werden vier Schulen in Thüringen begleitet.

Die Nutzung pädagogischer Begleitmaßnahmen im Ernährungsbereich wird von der Vernetzungsstelle empfohlen und organisiert. Ebenso wird auf Aktivitäten bekannter Partner wie Verbraucherzentralen, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Landfrauenverband (aid-Ernährungsführerschein) oder Thüringer Ökoherz verwiesen. Hierdurch können Theorie und Praxis besser miteinander verknüpft sowie Verständnis und Akzeptanz für die Umstellung auf gesündere Schulverpflegung geweckt werden.

Der Konsum von Fleisch verursacht ca. 40 Prozent mehr Treibhausgasemissionen als die Summe an Emissionen aus Autos, Lastwagen, Flugzeugen, Geländefahrzeugen und Schiffen weltweit. Die Tierwirtschaft ist sogar für 51 Prozent der anthropogen verursachten Treibhausgase verantwortlich. Methan, das vor allem in der Tierwirtschaft entsteht, ist wesentlich klimarelevanter als Kohlenstoffdioxid, besitzt aber zugleich eine geringere Verweildauer in der Atmosphäre. Werden Herstellung und Verbrauch tierischer Produkte reduziert, können bedeutende Fortschritte für Umwelt und Klima erzielt werden.

Umweltbelastungen durch Massentierhaltung sind enorm. So fallen bei einem Mastrind z.B. täglich 20 kg Dung an, was sich in einem Betrieb mit 10.000 Tieren auf ca. 200.000 kg Dung am Tag summiert – dem organischen Abfall einer Stadt mit 110.000 Einwohnern vergleichbar. Die anfallende Gülle belastet in hohem Maße das Grundwasser und trägt darüber hinaus zum Waldsterben bei.

 

Ottersberg: Eigenverpflegung an der FH Ottersberg

An der privaten Kunsthochschule Ottersberg bereiten Studierende das Essen in der Mensa in einem bundesweit vorbildlichen Projekt selbst zu. Ursprung des Projektes ist eine kleine studentische Initiative, die sich zum Alltag an der Fachhochschule in der Nähe von Bremen entwickelt hat. Entsprechend des anthroposophischen Ansatzes der Privathochschule wird nur vegetarisch gekocht, wobei jeder Student einmal pro Trimester einen Kochdienst übernimmt.

Ziele des Projektes sind ein gemeinsames Ess- und Kocherleben sowie die vegetarische Versorgung von Studierenden, Gästen und Mitarbeitern der FH.

Dabei bereiten täglich fünf Studierende unter Anleitung einer Köchin vegetarische Drei-Gänge-Menüs zu. Studierende übernehmen folgende Aufgaben:

  • Erstellen der Planung der Teams und Überzeugen von „Drückebergern“
  • Der studentische Mensabeirat kümmert sich um Organisatorisches, Preise und die Jobverteilung der Kochteams
  • Reinigen der Küche; Reinigungszeit: zwei Stunden

Gefragt sind daher Informationen über Aktionen, die eine naturgemäße Produktion, d.h. ökologisch erzeugte Lebensmittel zum Ziel haben. In ökologisch erzeugten Lebensmitteln sind bedeutend weniger Zusatzstoffe enthalten, werden Tierschutz sowie gentechnikfreie Herstellung beachtet. Ökologische Produktion ist insgesamt sorgfältiger, naturgemäßer und weniger auf schnelle industrielle Produktion ausgerichtet.

 

Osnabrück: Osnabrück gentechnikfrei

Einem Antrag der Grünen folgend, erklärt der Stadtrat die Stadt Osnabrück für gentechnikfrei. Auf den Flächen der Stadt werden demnach zukünftig keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Diese Regelung wird in den Pachtverträgen festgehalten und setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Landwirte. 3.500 ha landwirtschaftliche Fläche sind davon betroffen. In städtischen Einrichtungen sollen zudem künftig nur gentechnikfreie Lebensmittel angeboten werden. Begründet wird der Antrag mit der Ablehnung von Gentechnik durch die Verbraucher und den ungeklärten Risiken von Gentechnik-Pflanzen für Mensch und Gesamtökologie.

Neben Aktionen wie „Slow Food“ und Initiativen von Tierschutzverbänden, Vegetariern und Veganern, dem Euregio-Projekt „Gesunde Kinder in gesunden Kommunen“ u. a. sollen auf den folgenden Seiten beispielhafte Maßnahmen von Kommunen erfasst werden, die im Bereich Ernährung einen Beitrag zur Verbesserung von Ressourcennutzung, Gesundheit und zum Schutz des Klimas leisten.

 

Freiburg i. Br.: Nachhaltigkeit als Lebenskunst

Seit 2007 macht Freiburg in sechs Veranstaltungszyklen ethische und kulturelle Grundlagen von Nachhaltigkeit bewusst und geht der Frage nach einem „guten Leben“ nach: Wie wollen wir leben, und wie soll unsere Welt aussehen? Hauptthemen sind „Zeit“, „Lebens-Mittel“, „Raum“, „Generationen“, „Hören“ sowie „Energie“.

Akteure vor Ort sind die Stadt Freiburg, die Evangelische Akademie Baden, Evangelische Erwachsenenbildung Freiburg und Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg. Finanziert wird das Projekt durch den Innovationsfonds der badenova AG & Co. KG sowie von der Landesstiftung Baden-Württemberg.

Frei von Glaubensrichtungen und Religionen arbeiten Veranstalter verschiedenster Bereiche zusammen. Von Fotoausstellungen über Kochshows, Seminare, Ausstellungen, Musikveranstaltungen und Einblicke in die Arbeit sozialer Träger und Unternehmen werden an verschiedenen Orten Informationen und Anregungen zu den jeweiligen Themen gegeben. Das Engagement der Beteiligten ist maßgeblich für den Erfolg der Veranstaltungsreihe.

MW6: Maßnahme: Einrichten von Vernetzungsstellen für Schulverpflegung

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung bietet allen Akteuren und Interessierten rund um die Schulverpflegung Beratung sowie Unterstützung an.

Ziele der Vernetzungsstelle sind:

  • regelmäßige Ermittlung und Bewertung des Schulverpflegungsangebotes
  • Steigerung der Akzeptanz und Teilnehmerzahl an gesunder Schulverpflegung
  • Sensibilisierung von Schülern und Lehrkräften für „gesunde Ernährung“ durch Einbindung von Ernährungsprojekten
  • Auf- und Ausbau von Kooperationen zwischen den Beteiligten der Schulverpflegung
  • Information zu Kostenübernahme für Kinder aus einkommensschwachen Familien
  • Vernetzung vorhandener Aktivitäten

Erfolgsindikatoren

Entsprechend der Informations- und Lernprozesse der Beteiligten kann sich die Nachfrage nach gesunder Schulverpflegung stetig entwickeln

Akteure

Akteure von Vernetzungsstellen für Schulverpflegung sind die Bundesregierung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „In Form – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ sowie die Ministerien für Soziales, Familie und Gesundheit in den Bundesländern.

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

Der Aufwand richtet sich nach der Zahl der teilnehmenden Schulen und der Schülerzahl für die durchzuführenden Projekte in den einzelnen Bundesländern. Die Beratungen in den Schulen, mit dem Versorger/Caterer und die Erfassung sowie Informationsprozesse erfordern Zeit. Eine allgemeine Aussage ist hier nicht möglich.

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Erarbeitung von Konzepten und Programmen zum Klimaschutz (MK4)
  • Information und Schulung zum Klimaschutz in städtischen Liegenschaften (MK9)
  • Kampagne zum Klimaschutz (MK11)
  • Gentechnikfreie Regionen (MW8)
  • Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit (MW9)

Handlungsschritte

Nach der Mittelvergabe durch die Mittelgeber/Regierung sind entsprechend der für das Bundesland zu betreuenden Schulen/Einrichtungen Personalplanungen und Zeitpläne zu erstellen und ist das Projekt in finanzieller Hinsicht detailliert zu untersetzen. Für die Finanzplanung, aufgeschlüsselt nach Jahren/passenden Zeitabschnitten des Projektes, sind neben den Personalkosten, Raumkosten und Sachmitteln auch Fahrtkosten, Werbungs- und Druckkosten für Flyer und Pressematerialien zu berücksichtigen.

MW7: Maßnahme: Eigenverpflegung an Fachschulen/Hochschulen

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Studierende kochen in einem Projekt das Essen der Mensa selbst. Entsprechend des Ansatzes der Fachschulen/Hochschulen wird zu bestimmten Terminen bzw. ständig vegetarisch gekocht.

Die Maßnahme dient mehreren Zielen:

  • gemeinsames Ess- und Kocherleben
  • Bezug zu/Wissen über ökologisch und klimafreundlich erzeugte Lebensmitteln herstellen
  • Kenntnisse in der Zubereitung von Lebensmitteln erlangen
  • (vegetarische) Versorgung der Studierenden, Gäste und Mitarbeite

Erfolgsindikatoren

  • Teilnehmerzahl bei Kochaktionen und beim Verzehr
  • Regelmäßigkeit der Aktionen

Akteure

Eine Studenteninitiative in Kooperation mit Studentenwerk, privatem Träger oder einem Verein

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

Aufwand hängt von der Zahl der zu Verpflegenden ab und beinhaltet u.a.

  • Organisation der Einsatzteams, Anleitung durch eine Fachkraft, Kalkulation, Planerstellung
  • Eventuell weitere Aufgaben wie Einkauf, Vertragsabschlüsse mit Lieferanten etc.

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Klimaschutzfonds (MK8)
  • Kampagne zum Klimaschutz (MK11)
  • Gentechnikfreie Regionen (MW8)
  • Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit (MW9)

Handlungsschritte

Die Planung der Größe des Kochteams richtet sich nach der Zahl der zu Verpflegenden. Sobald die Größe des Teams feststeht und ein Koch und eine stellvertretende Fachkraft benannt sind (diese sollten festangestellt sein), sind entsprechend der Tagesgerichte die Arbeitsaufgaben und Zuständigkeiten zu verteilen. Die Zeitdauer für den täglichen Einsatz ist festzuschreiben und beinhaltet neben den vorbereitenden Aufgaben auch die Reinigung und die Materialbestellung für die folgenden Tage.

Einsatzpläne mit Namen und Regelungen für Ersatz bei Verhinderung der Teammitglieder sind im Vorfeld zu erstellen. Die Organisation ist von einem Koch oder einer Fachkraft durchzuführen, der bzw. die bereits in größeren Teams mit mehr als fünf Mitgliedern Erfahrungen gesammelt hat.

MW8: Maßnahme: Gentechnikfreie Regionen – Deutschland

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Pflanzen beachten keine Ackergrenzen. Für gentechnisch veränderte Pflanzen bedeutet dies, dass sie, einmal in die Umwelt ausgesetzt, nicht mehr rückholbar und ihre Eigenschaften durch Pollenflug oder Insekten auf herkömmliche Pflanzen übertragbar sind. Um ungeklärte Risiken aus gentechnisch veränderten Pflanzen zu vermeiden, können Städte und Gemeinden gentechnikfreie Regionen beschließen.

Mit gentechnikfreien Regionen können Kommunen beitragen zu

  • sicheren und gesunden Nahrungsmitteln
  • der Verhinderung von Monokulturen und deren Folgen
  • dem Erhalt der biologischen Vielfalt
  • dem Erhalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft
  • der Verhinderung von Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln

Die Schaffung gentechnikfreier Regionen können Kommunen ergänzen durch

  • Informationsveranstaltungen mit regionalen Produzenten von Lebensmitteln, Garten- bzw. Grundstückseigentümern, Landwirten, Imkern
  • das Angebot von grundsätzlich nur gentechnikfreien Lebensmitteln in städtischen Einrichtungen.

In Deutschland gibt es über 114 Gentechnikfreie Regionen (GFR) und 198 GFR-Initiativen (Stand 2010).

Erfolgsindikatoren

Existenz und Größe gentechnikfreier Flächen im Umkreis einer Kommune

Akteure

  • Stadtverwaltungen
  • Stadträte, Gemeinderäte
  • Vereine
  • Interessierte und betroffene Bürger
  • Grundstücksbesitzer, Pächter
  • Wissenschaftler
  • Imker, Verarbeiter, Händler, Umweltaktivisten, Züchter

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

  • Organisations- und Informationsaufwand, um Bevölkerung und Stadt- bzw. Gemeinde-vertreter sowie Pächter in den Prozess einzubeziehen
  • Für den Aufwand können keine bezifferbaren Angaben gemacht werden

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Erarbeitung von Konzepten und Programmen zum Klimaschutz (MK4)
  • Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit (MW9)

Handlungsschritte

Die wichtigste Grundlage für den Aufbau eines Netzwerkes/Verbundes wie Gentechnikfreie Regionen sind Informationen. Dies betrifft Folgen und Risiken der Gentechnik, Informationen über mögliche Partner (s. Akteure), Fachleute für Beratungen und Vertragsgestaltung (Wissenschaftler, Juristen) und die Erfassung dieser Daten, um das Netzwerk aufzubauen und zu entwickeln. Personalkosten, Raumkosten fallen bei den Kommunen in geringer Höhe an, Fahrtkosten, Werbungs- und Druckkosten für Flyer und Pressematerialien sind jedoch zu planen. Beim Netzwerkaufbau sind die Medien (Presse, lokaler Rundfunk und Webseiten zur Region) unbedingt mit einzubeziehen.

MW9: Maßnahme: Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit

Beschreibung (Wirkungsweise, Ziel)

Kommunen können Veranstaltungsreihen gestalten, die verschiedene Inhalte zum Thema Nachhaltige Entwicklung zusammenbringen.

In den Veranstaltungen können die ethischen und kulturellen Grundlagen von Nachhaltigkeit bewusst gemacht werden: Wie wollen wir leben, und wie soll unsere Welt aussehen? In mehreren Themenzyklen können Fragen zum Umgang mit „Zeit“, „Lebens-Mitteln“ etc. erörtert werden.

Ziel der Maßnahme ist es, Teilnehmende aus einer kreativen Perspektive für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und die Verantwortung jedes Einzelnen für den Umgang mit Ressourcen bewusst zu machen.

Erfolgsindikatoren

  • Veranstaltungen finden statt
  • Zahl der Teilnehmenden
  • Informationen aus Feedback-Bögen

Akteure

  • Städte, Kommunen
  • Vereine
  • Unternehmen
  • Künstler
  • Weiterbildungseinrichtungen
  • Bürger
  • Stiftungen

Aufwand (finanziell, materiell, zeitlich)

  • Zeitlicher und personeller Aufwand: Ehrenamtliche und Mitarbeiter verschiedener städtischer und privater Einrichtungen arbeiten hinsichtlich der Veranstaltungsreihe zusammen
  • Kosten für Öffentlichkeitsarbeit/Werbung: Kosten können zum Teil über symbolische Eintrittspreise und Förderungen/Zuschüsse finanziert werden

Verknüpfung mit anderen Maßnahmen

  • Gentechnikfreie Regionen (MW8)
  • Erarbeitung von Konzepten und Programmen zum Klimaschutz (MK4)
  • Kampagne zum Klimaschutz (MK11)

Handlungsschritte

Kostenplanung

  • entsprechend der bei einzelnen Veranstaltungsinhalte entstehenden Kosten für Vorbereitung, Durchführung und Werbung; es empfiehlt sich, die einzelnen Veranstaltungen als Projekte und den Inhalten entsprechend zu planen.

Zeitplanung

  • richtet sich nach Umfang und Inhalt der einzelnen Veranstaltung; betrifft Zeit für Raumsuche, Künstler- oder Dozentensuche, Zeit für Vertragsgestaltung, Pressearbeit und Einladungen sowie für Abrechnung und/oder Suche nach Fördergebern;
  • mindestens ein halbes Jahr ist an Vorlauf für Absprachen und Projektpartnersuche zu berücksichtigen.

Personalplanung

  • hängt ab von Umfang der Veranstaltung, geplanten Besucherzahlen und Organisationsaufwand für das jeweilige Projekt;
  • ist unbedingt von Mitarbeitern der Kommune durchzuführen, wenn externe Projektteilnehmer oder Ehrenamtler einbezogen werden sollen.